
Microsoft hat kürzlich einen Datenschutzforscher durch einen Beitrag auf X auf eine der weniger bekannten Funktionen von Edge aufmerksam gemacht und Edge Secure Network VPN als kostenloses, integriertes Datenschutztool beschrieben, das keine zusätzlichen Apps oder Abonnements erfordert.
Der Beitrag des offiziellen Microsoft Edge-Handels positionierte die Funktion als eine einfache Möglichkeit, beim Surfen, insbesondere in öffentlichen WLAN-Netzwerken, eine zusätzliche Schutzebene hinzuzufügen, und forderte Benutzer auf, sie direkt in den Edge-Einstellungen zu aktivieren.

Die Funktion heißt Edge Secure Network VPN und könnte Sie theoretisch von der Installation von VPN-Diensten von Drittanbietern befreien, da sie bereits in Edge integriert ist, aber ein begrenztes monatliches Datenkontingent hat.

Nicht lange danach antwortete ein Datenschutzforscher mit einer detaillierten technischen Kritik und argumentierte, dass die Funktion ganz anders funktioniere als das, was die meisten Menschen mit einem herkömmlichen VPN assoziieren. Diese Antwort gewann schnell an Bedeutung und verlagerte das Gespräch auf eine Debatte darüber, wie browserintegrierte Datenschutz-Tools beschrieben werden sollten und welches Schutzniveau Benutzer realistischerweise erwarten sollten.
„Edge Secure Network ist KEIN VPN. Es ist ein HTTP CONNECT-Proxy, der auf der Privacy Proxy-Plattform von Cloudflare basiert. Es tunnelt nur den Datenverkehr innerhalb des Edge-Browsers“, sagt Sooraj Sathyanarayanan, Datenschutzforscher und Sicherheitsstratege, der bei Brave Browser arbeitet.
Wir haben Microsoft um weitere Erläuterungen zu den Merkmalen von Edge Secure Network VPN gebeten und werden diese Geschichte aktualisieren, sobald wir etwas hören.
Soorajs Behauptungen sind weitgehend wahr, aber um zu verstehen, woher die Meinungsverschiedenheit kommt, hilft es zunächst, einen Blick darauf zu werfen, wie Microsoft selbst erklärt, was Edge Secure Network VPN leisten soll.
Laut Microsoft bietet Edge Secure Network VPN einen integrierten verschlüsselten Browserschutz mit einem monatlichen Limit von 5 GB
Laut der Funktionsdokumentation von Microsoft handelt es sich bei Edge Secure Network VPN um eine leichte Schutzfunktion auf Browserebene, die „VPN-Technologie“ verwendet, um den in Microsoft Edge generierten Datenverkehr zu verschlüsseln und so die Browsing-Aktivitäten vor Dritten, Trackern oder böswilligen Akteuren zu schützen.
Wenn Sie in einem öffentlichen Netzwerk wie einem Café oder einem Flughafen surfen, kann Edge den Browserverkehr durch einen verschlüsselten Tunnel leiten, sodass sensible Daten wie Anmeldungen, Zahlungsdetails oder Formularübermittlungen nicht abgefangen werden können. Laut Microsoft verschleiert die Funktion außerdem die IP-Adresse des Benutzers auf Websites und fügt so eine zusätzliche Ebene der Privatsphäre beim Surfen hinzu.
Um Edge Secure Network VPN zu aktivieren, klicken Sie auf die drei Punkte in Edge, wählen Sie Weitere Tools aus und klicken Sie auf Secure Network. Klicken Sie auf VPN kostenlos herunterladen und melden Sie sich bei Ihrem Microsoft-Konto an.
Edge Secure Network ist ohne zusätzliche Kosten verfügbar, jedoch nur für Benutzer, die mit einem persönlichen Microsoft-Konto bei Edge angemeldet sind. Das kostenlose Kontingent umfasst ein monatliches Datenvolumen von 5 GB. Danach endet der Schutz, bis das Kontingent zurückgesetzt wird. Um diese Daten zu schonen, sind bestimmte Szenarien mit hoher Bandbreite, darunter Video-Streaming-Dienste wie Netflix, Hulu, HBO und mehr, von der Weiterleitung über diese Funktion ausgeschlossen.
Beachten Sie, dass einige Leute VPN-Dienste ausschließlich nutzen, um die Inhaltsfilterung von Streaming-Plattformen für bestimmte Regionen zu umgehen.
Edge Secure Network VPN weist auch einige andere Einschränkungen auf. Die Funktion ist derzeit auf verwalteten oder Unternehmensgeräten nicht verfügbar und funktioniert in bestimmten Regionen nicht. Es unterstützt auch keine manuelle Serverauswahl, was Microsoft als Antwort auf eine Benutzerfrage zu

Allerdings beschreibt Microsoft das System als intelligent genug, um sich automatisch in Situationen zu aktivieren, in denen es ein höheres Risiko einschätzt, etwa beim Besuch von Websites, die nicht vollständig gesichert sind. Benutzer können das Verhalten auch manuell steuern und entscheiden, ob sie es selektiv aktivieren oder die Abdeckung auf mehr Browsersitzungen erweitern möchten.
Aus Sicht von Microsoft handelt es sich bei Edge Secure Network VPN um einen integrierten Schutz, der einen grundlegenden Schutz bietet, ohne dass Benutzer Tools von Drittanbietern installieren oder konfigurieren müssen. In der offiziellen Dokumentation wird es nicht als vollständiger Ersatz für eigenständige VPN-Dienste vermarktet, obwohl das Unternehmen Formulierungen wie „jeden Monat kostenlosen VPN-Datenschutz“ und „nutzt VPN-Technologie“ verwendet.
Das clevere Marketing reichte nicht aus, um einen Sicherheitsanalysten davon abzuhalten, die Funktion zu kritisieren.
Sicherheitsforscher sagen, dass Edge Secure Network eher einem Browser-Proxy ähnelt als einem herkömmlichen VPN

Die Werbesprache rund um Edge Secure Network VPN löste eine ausführliche Antwort von Sooraj Sathyanarayanan aus, einem Datenschutzforscher und Mitarbeiter von Brave Browser, der argumentiert, dass sich die Funktion ganz anders verhält, als die meisten Benutzer erwarten, wenn sie das Wort „VPN“ hören.
Laut der Analyse fungiert Edge Secure Network als Tunnelmechanismus auf Browserebene und nicht als systemweites virtuelles privates Netzwerk. Daher wird nur der in Microsoft Edge generierte Datenverkehr über den geschützten Kanal weitergeleitet. Aktivitäten von anderen Anwendungen, Hintergrunddiensten, E-Mail-Clients, Betriebssystem-Updates und sogar DNS-Abfragen würden weiterhin den regulären Netzwerkpfad verwenden.
Er beschreibt die Funktion als einen HTTP CONNECT-Proxy, der auf der Privacy Proxy-Infrastruktur von Cloudflare aufbaut und darauf ausgelegt ist, Browsersitzungen innerhalb von Edge selbst zu sichern, und nicht darauf, einen geräteweiten verschlüsselten Tunnel zu erstellen. Beachten Sie, dass viele kommerzielle VPN-Tools den gesamten Systemverkehr über einen sicheren Endpunkt mit Kill-Switches und vom Benutzer konfigurierbaren Serverstandorten leiten.

Die Analyse stellt außerdem fest, dass Edge Secure Network standardmäßig in einem von Microsoft so genannten „optimierten“ Modus ausgeliefert wird, was bedeutet, dass der Schutz möglicherweise nur unter bestimmten Bedingungen aktiviert wird, z. B. bei der Nutzung von öffentlichem WLAN oder dem Besuch von Nicht-HTTPS-Sites, es sei denn, Benutzer ändern die Konfiguration manuell, um alle Surfszenarien abzudecken.
Ein weiterer angesprochener Punkt ist die Anforderung, sich mit einem persönlichen Microsoft-Konto anzumelden, um die Funktion zu aktivieren. Laut Microsoft ist dies notwendig, um die monatliche Nutzungsobergrenze von 5 GB durchzusetzen, der Forscher argumentiert jedoch, dass dadurch die Schutzschicht mit einer authentifizierten Identität und nicht mit einer anonymen Nutzung verbunden wird.
Sathyanarayanan beschreibt die Architektur weiter als ein Zwei-Parteien-Vertrauensmodell, bei dem Microsoft die Kontoidentität verwaltet, während das Netzwerkrouting von Cloudflare übernommen wird.
Microsoft versichert, dass Cloudflare keine Kontoidentitäten sieht, und Cloudflare gibt an, dass es den Benutzerverkehr nicht prüft, aber der Forscher weist darauf hin, dass das System darauf angewiesen ist, den Behauptungen beider Parteien zu vertrauen, ohne dass eine unabhängige öffentliche Prüfung erfolgt.
In der Kritik werden auch Bedenken hinsichtlich der fehlenden manuellen Regionsauswahl, der eingeschränkten Transparenz des Routing-Verhaltens und des Fehlens bestimmter Schutzmaßnahmen geäußert, die die VPN-Software für vollständige Geräte bietet.
Integrierter Browserschutz ist üblich, aber er ist nicht dasselbe wie ein vollständiges VPN
Microsoft ist nicht der Einzige, der den Netzwerkschutz direkt in den Browser integrieren möchte. Opera bietet beispielsweise seit langem eine integrierte VPN-Funktion im Browser an, die ihn als integrierte Datenschutzebene einrichtet.

Diese integrierten Tools sind auf eine Welt ausgerichtet, in der der Komfort an erster Stelle steht. Sie schalten sich in bestimmten Situationen automatisch ein, erfordern nur minimale Einrichtung und reduzieren offensichtliche Risiken wie ungesicherte WLAN-Verbindungen. Sie vermeiden auch die Leistungseinbußen, die systemweite VPN-Software mit sich bringt.
Gleichzeitig sind browserintegrierte Schutzmaßnahmen kein Ersatz für herkömmliche VPN-Dienste.
Klarheit darüber, was diese Funktionen abdecken und was nicht, wird für das Vertrauen der Benutzer immer wichtiger. Ob die Funktion als nützlicher Schutz oder als etwas Überbewertetes angesehen wird, hängt wahrscheinlich davon ab, wie Microsoft ihre Rolle und Einschränkungen weiterhin erklärt.
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